Alle Hilfen an einer Stelle

Das Leben vieler alter Menschen mündet nach gesundheitlichen und/oder sozialen Krisen oft voreilig – aufgrund mangelnder rehabilitativer Hilfen – in eine nicht gewünschte, dauerhafte stationäre Pflege und Versorgung. Die Leitstelle Älter werden hat das am Pflegeversicherungsgesetz (SGB XI) ausgerichtete Ziel, älteren Menschen das Leben und Wohnen in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich zu erhalten oder die Rückkehr dorthin zu ermöglichen. Nicht gewünschter und unnötiger Umzug in ein Pflegeheim soll vermieden werden. Ältere Menschen sollen – trotz Krankheit, Behinderung und Pflegebedürftigkeit – ein weitgehend selbständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter führen können.

Die Einrichtung einer Leit,- bzw. Koordinierungsstelle für Fragen rund ums Alter und zur Koordinierung benötigter Hilfen ist eine auch im Landkreis Harburg dringend erforderliche Antwort auf die demographische Entwicklung. Im Landkreis Harburg leben knapp 200.000 Menschen, was fast einer mittleren Großstadt entspricht. 31,3% der Einwohner sind älter als 60 Jahre, 17,9% älter als 65 Jahre.

Den Bürgerinnen und Bürgern des Landkreises Harburg, die Hilfe und Beratung zu Themen rund ums Alter benötigen oder anbieten möchten, soll zukünftig in den Räumen des evangelischen Familienzentrums in Buchholz die Leitstelle „Älter werden“ als zentraler Anlaufpunkt zur Seite stehen. Älter werdende Menschen im Landkreis Harburg sollen damit in ihrer aktiven Teilhabe am Leben gefördert und in ihrer selbständigen Lebensführung zu Hause unterstützt werden.

Im Mittelpunkt der Leitstelle „Älter Werden“ stehen die Informations- und Koordinierungsaufgaben und die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Rolle als „Alltagsbegleiter“, bzw. Seniorinnen- und Seniorenbegleiter (DUO). Die hauptamtlichen Mitarbeiter der Leitstelle informieren, beraten und unterstützen ältere Menschen, ihre Angehörige und andere Interessenten zu allen Fragen rund ums Alter, insbesondere zu Wohnen im Alter, Wohnumfeldverbesserung, soziale Integration, Entlastung pflegender Angehörigere, Rehabilitation im Alter, Sicherung der häuslichen Pflege. Die Mitarbeiter der Leitstelle entwickeln individuelle Lösungen und organisieren die benötigten Dienstleistungen, indem die passenden Organisationen und Personen zusammengeführt werden.

Hier kommen die freiwilligen Helfer ins Spiel: Zwischen ihnen und den hilfsbedürftigen Personen soll sich im Rahmen wöchentlicher Hausbesuche eine feste und konstante Beziehung – eine Art Patenschaft - entwickeln, die auf persönlichem Vertrauen basiert. Jeder ehrenamtliche Mitarbeiter kümmert sich quasi als Case Manager, bzw.„Alltagsbegleiter“ oder auch „Seniorenbegleiter“ um eine hilfsbedürftige Person. Diese Beschränkung auf eine 1:1-Betreuung „soll sicherstellen, dass der ehrenamtlich Engagierte zeitlich und persönlich nicht überfordert wird. Mitarbeiter, die nicht im Besuchsdienst eingesetzt sind, leisten die sonstigen Dienste wie Fahr- und Begleitdienst, Einkaufsservice, Haus und Gartenarbeiten, Begleitung zu Arztbesuchen, zu Behörden und Kulturveranstaltungen, gemeinsames Spazierengehen, Reden und Zuhören, Beaufsichtigung von Kranken zur Entlastung der Angehörigen etc.“

Die gesamte Leistungserbringung ist geprägt von der Methode des Case Managements, die für die Bearbeitung von komplexen Fallkonstellationen im Gesundheits- und Sozialbereich besonders geeignet ist. Das Case Management konzentriert sich auf ein zielgerichtetes, strukturiertes und strategisch-planerisches Vorgehen und betrachtet soziale Arbeit unter den Gesichtspunkten von Effektivität und Effizienz (Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit). Diese Essentials finden sich in der täglichen Arbeit der Leitstelle wieder.

Wertschätzung und Weiterbildung für die vielen engagementbereiten Seniorinnen und Senioren, die sich mit kreativen Ideen, Wissenskompetenzen und dem nötigen Gestaltungswillen einbringen möchten, sind ein wichtiger Bestandteil der Leitstelle, denn die „jungen Alten“, die aus dem Berufsleben ausgeschieden sind, sollen als „Alltagsbegleiter“ eine sinnvolle neue Aufgabe finden, die sie gerne und für einen längeren Zeitraum ausführen. Und deshalb werden sie geschult, unterstützt und begleitet. Sie werden aber auch gezielt über die Möglichkeiten eines Freiwilligen Jahres für Seniorinnen und Senioren (FJS) informiert und an geeignete Stellen vermittelt.

Die Leitstelle „Älter werden“ verbindet an einem Ort die vielfältigen Begegnungs-, Betreuungs- und Beratungsmöglichkeiten eines Familienzentrums, eines Sozialwerks und einer Kirchengemeinde mit der offenen Seniorenarbeit und der bürgerschaftlichen Engagementbereitschaft jüngerer und älterer Menschen.

Die Leistungen sind für die Nutzer/-innen kostenlos und verbraucherorientiert. Die Leitstelle verpflichtet sich zur Neutralität gegenüber Kostenträgern und Dienstleistungsanbietern im Bereich der Altenhilfe.